Verbriefung startet wieder: Ist das wirklich möglich?

Jüngst häufen sich wieder die Meldungen: An der Wall Street wird eine Neuemission von immobilienbesicherten Wertpapieren über 4 Milliarden US-Dollar vorbereitet. CMBS-Emissionen nehmen 2011 wieder an Fahrt auf. Dies sind nur zwei Beispiele einer ganzen Reihe ähnlicher Nachrichten, die derzeit durch (hauptsächlich) den englischsprachigen Blätterwald rauschen und im Internet Verbreitung finden.

Während diese Berichte im wesentlichen die Vereinigten Staaten betreffen, glauben viele wegen der Globalisierung auch an eine Erholung des Verbriefungsmarktes in Europa. Und sicherlich werden die findigen Kollegen aus Amerika wieder nichts unversucht lassen, um auch jenseits des großen Teichs das einträgliche Geschäft mit Verbriefungen voranzutreiben.

Was sind die größten Hindernisse?

  • Fehlendes Investoren-Vertrauen aufgrund negativer Entwicklungen in der Vergangenheit: Zu allererst müssten die Investoren wieder gewonnen werden, die allerdings weiter steigende Ausfälle von durch CMBS-Wertpapiere besicherte Forderungen beobachten können. Die Refinanzierungswelle ist noch lange nicht abgearbeitet.
  • Neues CMBS-Geschäft setzt die primäre Kreditvergabe durch Banken voraus: Die Banken werden Neugeschäft aber nur noch mit strikteren Kriterien angehen. Dies wird die Transaktionszahl reduzieren. Die bestehenden Chancen, nämlich auslaufende Kredite zu refinanzieren, werden nicht ergriffen. Bei den auslaufenden Finanzierungen sind sowohl Kreditverlängerungen als auch neue Ausleihungen nicht verfügbar.
  • Bei sich verschärfenden Neukreditvergaben steht statt CMBS der Pfandbriefmarkt in Deutschland zur Verfügung. Da er aber wegen der nationalen Regelungen und damit höheren Sicherheitsstandards (Treuhandvermögen, Deckungsstock, Beleihungswertgrenze bei 50 Prozent) schon die bestehenden Kreditausläufe bei einer Loan-to-Value-Ratio von 75 bis 85 Prozent des jetzigen Marktwertes nicht abdeckt, bleibt ein großer Teil des Marktes ohne Kredit. Da hilft auch die Übernahme des Anglizismus „Covered Bonds” nichts.
  • Kreditnehmer werden nur ungerne und eher seltener weiten Öffnungsklauseln für Verbriefungen zustimmen: Aufgrund der gewonnenen Erfahrungen suchen Kreditnehmer wieder eine belastbare und dauerhafte Bankbeziehung – statt einer häufig wechselnden Gruppe von Anleihegläubigern und stetig wechselnder Mitarbeiter der Servicer ausgeliefert zu sein. Dieses Hindernis wird höchstwahrscheinlich nur dadurch ausgehebelt, dass den meisten Kreditnehmern die Alternative fehlt.
  • Es kommt zu einer rapide steigenden Finanzierungsnachfrage bei nachlassendem Angebot: die Funding-Schlacht, für die Dirk Elsner in seinem Blick Log die verschiedenen Quellen zutreffend zusammenfaßt.
  • Die aufsichtsrechtlichen Regeln zur Verlagerung des Kreditrisikos aus Banken und die Regeln zur Anerkennung der risikoverlagernden Wirkung werden sich verschärfen. Für die Verbriefung hat dies nachteilige Folgen. Gleichzeitig sinken damit selbstverständlich die Anreize für die kreditgebenden Banken, bestehende Risiken in den Kapitalmarkt auszulagern.

Ein Kommentar zu Verbriefung startet wieder: Ist das wirklich möglich?

  1. Für den, der die ABS-USA vs. ABS-Europa Betrachtung etwas differenzierter mag, sei auf folgendes Zitat hingewiesen:

    “Less than 1.6 percent of asset-backed debt outstanding in Europe in mid-2007 has defaulted, while the cumulative default rate in the U.S., where securities backed by the U.S. sub-prime mortgage market imploded, was 19.3 percent over the same period, Standard & Poor’s said in a report yesterday.”

    Quelle:

    Bloomberg
    BlackRock Hired by ECB as ABS-Program Consultant
    By Paul Gordon and Alastair Marsh Aug 27, 2014 6:37 PM GMT+0200

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